Vor jeder Maßnahme an historischen Bauwerken oder Kunstgegenständen steht die Untersuchung ihrer Vorzustände. Die Begutachtung von Art und Umfang des Schadensbildes ist Vorraussetzung zur Entwicklung des Restaurierungskonzeptes. Frühzeitig dürchgeführte Befunduntersuchungen erleichtern sowohl die Planung als auch die Durchführung der Maßnahmen. Sie dienen der Einschätzung und Reduzierung des Kostenaufwandes, vor allem jedoch der erfolgreichen Umsetzung.
 
Methoden der Befunduntersuchung:
 

Das Technoskop ermöglicht durch vielfache Vergrößerung die sehr genaue Betrachtung des Zustandes der Fassungsoberfläche.

 
Ausbrüche in der geschägten Fassung geben oftmals den Blick auf darunterliegende Fassungen frei, so dass auch ohne Eingriff Erkenntnisse über den Aufbau der Fassung gewonnen werden können. Die Ausbruchstelle an der Gewandinnenseite einer gefassten Figur ließ unter der vergoldeten Istfassung (IST) eine ältere rote Fassung (F 1) erkennen.
 

Durch Anlegen einer Sondage können mit Hilfe des Skaplells die Farbfassungen als einzelne Schichten voneinander isoliert und in Form kleiner Fenster nebeneinander geöffnet werden. In einem ca. 400 Jahre alten Bürgerhaus in Hallein (Österreich) konnten mit 176 übereinanderfolgenden Schichten 94 verschiedene Wandfassungen nachgewiesen werden.

 
Entnommene Proben werden unter dem Mikroskop bearbeitet und analysiert: Pigmente lassen sich unter dem Polarisationsmikroskop im Durchlicht an Hand ihrer Eigenschaften wie z.B. Farbe, Form, Struktur und Lichtbrechung bestimmen.
 
 

 

Die Querschliffprobe zeigt mit dem Anschnitt einer Fassung unter dem Auflichtmikrokop Aufbau und Stärke der Schichten.

Im Querschliff der Fassung des Chorgitters der Kirche Hl. Blut in Einsbach fanden sich größere Partikel Blattgold.

 

Der Umfang einer Untersuchung wird in der Regel nicht allein von der Fragestellung, sondern auch von den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln bestimmt:

Ein Orientierungsbefund dient der sondierenden Ermittlung historischer Fassungen an ausgewählten Partien. Informationen über Herkunft, Enstehungszeitpunkt und spätere Überarbeitungen des Ojektes werden zusammengetragen. Zielsetzung der Untersuchung ist oftmals, die Anzahl der Fassungen, den Erhaltungszustand und soweit als möglich auch die Entstehungszeit zu bestimmen. Auf dieser Grundlage kann anschließend ein Maßnahmenkatalog aufgestellt und der dazugehörige Kostenrahmen festgelegt werden.

Bei einem erweiterten Befund werden sämtliche Objekt- bzw. Architekturteile untersucht und alle vorgefundenen Schichten und Fassungen miteinander synchroniert. Wenn z.B. eine Originalfassung rekonstruiert werden soll, sind genaueste Kenntnisse der angewendeten Pigmente, Bindemittel und Verarbeitungstechniken notwendig.